Hintergründe

Vielen Handwerks- und Industriebetrieben fehlen qualifizierte Meister/-innen bzw. Ingenieur/-innen für die Betriebsleitung oder für anstehende Betriebsübergaben. In Schleswig-Holstein stehen alleine von den ca. 29.000 Handwerks- und handwerksähnlichen Betrieben, aufgrund der Altersstruktur der Betriebsinhaber, jährlich circa 1.000 Betriebe zur Übergabe an. Dabei ist in vielen Fällen die Betriebsübernahme durch eine Nachfolgerin bzw. einen Nachfolger nicht gesichert. Hinzu kommt, dass Entwicklungen neuer Technologien und der gemeinsame europäische Markt die technischen und betriebswirtschaftlichen Anforderungen an Führungskräfte in Industrie- und Handwerksbetrieben erhöhen.


Die traditionelle Trennung von Berufsausbildung (3 bis 3,5 Jahre) und Fachhochschulstudium mit Bachelorabschluss (3 bis 4 Jahre) führt zu einer Gesamtausbildungsdauer von 6 bis 7,5 oder mehr Jahren. Die Absolventinnen und Absolventen der Fachhochschulen sind dann beim Eintritt ins Berufsleben oft 27 Jahre oder älter. Wirtschaft und Politik fordern von den Bildungsverantwortlichen, Bildungseinrichtungen und -trägern eine Verkürzung der Ausbildungszeiten, eine engere Verzahnung von Studium und Praxisausbildung sowie eine umfassendere Kooperation zwischen Hochschulen und Betrieben.


Entwicklungsgeschichte StudiLe

Im Jahre 2002 trafen sich erstmals Vertreter der Handwerkskammer Lübeck und der Fachhochschule Lübeck, um über den mit den oben vorgetragenen Hintergründen einhergehenden, damals wie heute dringlichen Verbesserungsbedarf zu beraten. Im Ergebnis wurde ein Grobkonzept eines Ausbildungsmodells für den Bereich Metall / Maschinenbau erarbeitet, welches die betriebliche Ausbildung mit dem Studium an der FHL verzahnt, also ein Studium mit integrierter Lehre, auch kurz „StudiLe“ genannt.
In einem zweiten Schritt wurden weitere wichtige Institutionen aus den Bereichen Gewerbeschule, Kammern, Innungen und Verbände angesprochen und in das konkreter werdende Projekt „StudiLe“ eingebunden. Ein verfeinertes Konzept wurde erarbeitet und gemeinschaftlich verabschiedet.

 

Die Komplexität dieses besonderen Ausbildungsprogramms, aber auch die Ernsthaftigkeit aller beteiligten Institutionen (Link: 6.2.3 „Die Kooperationspartner), es zu gestalten und verantwortungsvoll zu betreiben, wurde schließlich auf eine vertraglich geregelte Basis gestellt.

 

Im August des Jahre 2004 starteten dann die ersten drei Teilnehmer im Rahmen des StudiLe-Programmes offiziell mit ihrer betrieblichen Ausbildung. Ein Jahr später, im September des Jahres 2005, begannen sie mit ihrer Fachhochschulausbildung im Studiengang Maschinenbau (damals noch ein Diplom-Studium). 

 

Aufgrund des sich abzeichnenden Erfolges im Ausbildungsbereich Metall / Maschinenbau wurden in den darauf folgenden Jahren die Ausbildungsbereiche Bau (2006) und Elektrotechnik (2007) in das StudiLe-Programm mit aufgenommen. Aktuell hat StudiLe über 115 Teilnehmer.